Blick durch den Bildschirm

Blick in Nachbars Garten

Gartenplan, ohne Maßstab

Gärtnern mit langer Tradition

Ein Garten geht mit der Zeit und bleibt sich treu

Wohn- und Nutzgarten der 1950er heute

Der Garten von Hiltrud und Erwin Reidelbach besteht seit 1959. Hiltrud Reidelbachs Eltern hatten hier ihr Haus gebaut. Bis dahin waren die Flächen als Mainbernheims Weinberge genutzt worden. Im Siedlungsgebiet entstanden die typischen Wohnhäuser der Zeit. Die Gärten waren als Nutzgärten angelegt. Es war selbstverständlich, dass der Garten zur Selbstversorgung diente.

Die Aufteilung des Gartens haben die Reidelbachs beibehalten. Ein vielfältig bepflanzter Vorgarten ist die Visitenkarte des Hauses. Der Wohn- und Nutzgarten liegt auf der Südseite. Das Gelände ist leicht terrassiert, so dass die Beetflächen einfach zu bearbeiten sind.  

Seit einigen Jahren haben die Reidelbachs die Flächen für die Gemüsebeete verkleinert. Die anhaltende Trockenheit in Verbindung mit der wasser-liebenden Fichte an der Grundstücksgrenze hatte die Erträge immer mehr geschmälert. Nun wächst hier Rasen, der aber bei Hitze auch braun werden darf.

Selbstversorger für Gemüse, Salat und Obst

Selbstversorger sind die Reidelbachs dennoch. Sie bauen Gemüse, Salat und eigenes Obst an.  Das Gemüse kommt aus ihrem Gartenteil in den Mainbernheimer Grabengärten, Obst aus einem eigenen Obstgarten. Im Garten am Haus werden vor allem Kräuter angebaut, die Pflanzen vorgezogen und Blumen gepflegt.

Seit 1988 hat Erwin Reidelbach ein kleines Gewächshaus. Hier werden die meisten Pflanzen selber ausgesät und pikiert, „außer Salat – da hat man immer so viele Setzlinge einer Sorte auf einmal,“ sagt er. Viele Pflanzen werden mit Gartenfreunden getauscht, so entsteht leicht eine Vielfalt der Sorten und Arten.

Erwin Reidelbach ist im Gärtnerdorf Albertshofen mit Gartenarbeit aufgewachsen. Als Jugendlicher hatte er sich vorgenommen, nie mehr zu Gärtnern, doch fand er im Garten bald einen großen Ausgleich zur Arbeit am Schreibtisch. Erwin Reidelbach hat sich im Obst- und Gartenverein Mainbernheim engagiert und sich weitergebildet, mit Kursen zum Obst- und Gemüseanbau, bei der Landesanstalt in Veitshöchheim und an der Fachhochschule Weihenstephan. Gärtnern im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten ist selbstverständlich.

Gartentipps und -tricks

Im Sommer verbringen beide Ehepartner täglich zwei Stunden im Garten, mit Gießen und Plaudereien mit den Garten-Nachbarn. Meist wir abends gegossen, in der Dämmerung. So kann das Wasser besser eindringen, ohne gleich zu verdunsten oder die Pflanzen zu verbrennen. Das Wasser kommt von den Dachflächen und wird in mehreren Behältern, mit insgesamt 3.500 Litern, gesammelt. Die Reidelbachs gießen sparsam.

Die zunehmende Trockenheit im Frühjahr uns Sommer verändert die Zusammensetzung der Pflanzen. Der Phlox im Vorgarten tut sich schwer, dankbar sind dagegen Storchschnabel und Iris. Einjährige Pflanzen brauchen viel Wasser, Stauden sind einfacher in der Pflege, vor allem, wenn sie zusammengewachsen sind und den Boden bedecken

»Der Garten muss nicht wie das Wohnzimmer aussehen,« sagt Hiltrud Reidelbach. Ringelblumen, Rittersporn, Jungfer im Grünen, werden nach der Blüte nicht abgeschnitten, sondern dürfen Samen ausbilden und kommen im nächsten Frühjahr neu wieder. Auch die Samenstände sind attraktiv, auch wenn sie auf Ordnungsliebende Besucher nur „dürr“ wirken mögen.

Auch Sämlinge, die von selbst aufgehen, dürfen erst mal stehen bleiben, wenn noch nicht klar ist, welche Pflanze daraus entstehen wird. Freilich kennen die Reidelbachs viele Arten und können leicht die erkennen und entfernen, die zum Wuchern neigen würden. Die meisten Kräuter aber suchen sich ihren Platz selber, gerne in Ritzen, wo kein Mensch sie pflanzen könnte.

Freude am Gärtnern

Auch tierische Mitbewohner lieben den Garten. Im Mulch des Kompostplatzes leben Nashornkäfer und Hirschkäfer. Schwarze Holzbienen, viele Hummeln, auch Fledermäuse tummeln sich. Es blüht immer etwas. Die Blüten der Kugeldisteln, als Hummel-Magnete, werden zum Beispiel im Juli abgeschnitten. Sie blühen dann im Herbst noch einmal. Über die Samen fallen Distelfinken gerne her.

Gärtnern ist erblich, oder zumindest ansteckend. Wie die nun erwachsenen Kinder früher, helfen heute die Enkelkinder mit, beim Legen und Ernten der Kartoffeln für das Kartoffel-Leasing in den Grabengärten, oder um die Pizza mit Rukola aus dem Garten zu belegen.

Ist denn auch Urlaub vom Garten denkbar? Ja, Fahrrad-Reisen machen sie regelmäßig. »Nach einer Woche sind wir froh, wieder nach Hause zu kommen« lacht Hiltrud Reidelbach.

Hiltrud und Erwin Reidelbach, Mainbernheim

Bilder, Text und Skizze: Mechthild Engert

Mechthild Engert

Landratsamt Kitzingen


Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege

Kaiserstraße 4
97318 Kitzingen

(Mo-Fr vormittags)

8.84.12

09321 928 4205

+49 (9321) 928-4099

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